Das Video „Kinder mit und ohne Legasthenie lernen gemeinsam Chinesisch – eine interdisziplinäre Forschungsarbeit“ ist bei der DOG 2025 mit dem 1. Platz des Videopreises ausgezeichnet worden. DOG‑Mitglieder können den vollständigen Film ab sofort im myDOG-Mitgliederbereich ansehen.
Inhalt und Fragestellung
Als Hauptursache der Legasthenie in alphabetischen Sprachen gilt ein phonologisches Defizit, das die lautliche Verarbeitung von Buchstaben erschwert. Die im Film vorgestellte Studie untersucht, ob Kinder mit Lese‑Rechtschreib‑Schwäche (LRS) eine nicht buchstabengebundene Schrift – am Beispiel des Chinesischen – ebenso gut erlernen können wie Kinder ohne LRS.
Zentrale Ergebnisse
Die Tübinger Autorinnen und Autoren zeigen, dass sich die Augenbewegungen beim Benennen chinesischer Zeichen bei Kindern mit LRS nicht von denen der Kontrollgruppe unterscheiden. Zudem hatten Kinder mit LRS weniger Schwierigkeiten, chinesische Zeichen zu lernen als alphabetische Wörter zu lesen. Da chinesische Schriftzeichen primär visuell verarbeitet werden und ein direkter Bedeutungszugang besteht, spielt das phonologische Defizit hierbei eine geringere Rolle.
Der Film richtet sich an Betroffene, Eltern und Lehrkräfte. Er erklärt die Herausforderungen von Kindern mit LRS und zeigt zugleich, dass das Erlernen einer nicht‑alphabetischen Sprache eine Chance sein kann, Erfolgserlebnisse, Motivation und Freude am Lernen zu fördern – ergänzend zur notwendigen spezifischen LRS‑Förderung.